Die Geschichte des Bahnhof Altona: Vielseitiger Endpunkt

Der Bahnhof Hamburg-Altona und sein großes Bahnbetriebswerk hatten einst enorme Bedeutung im deutschen Schienenverkehr. Wir erinnern an die große Zeit, die mit dem Abriss der Bahnanlagen bald endgültig Geschichte sein wird.

Die Geschichte des Bahnhof Altona: Ein vielseitiger Kopfbahnhof © Frank Muth

Hamburg-Altona – Generationen von Bahnreisenden ist oder war dieser Bahnhofsname ein Begriff, denn für den Großteil aller aus dem Süden oder Westen nach Norden fahrenden Züge war dieser Kopfbahnhof über Jahrzehnte Endstation.

Dabei war der Bahnhof bei seiner Entstehung vor 170 Jahren zunächst als südlicher Endpunkt der ersten Eisenbahnstrecke auf dänischem Hoheitsgebiet konzipiert: Die seinerzeit selbstständige Stadt Altona im Westen von Hamburg gehörte zu dem von Dänemark regierten Herzogtum Holstein, und dort hatte man angesichts der Bestrebungen des größeren Nachbarn Hamburg, eine Bahnverbindung nach Lübeck zu schaffen, vor allem die eigenen wirtschaftspolitischen Interessen im Blick.

Es galt, als Verkürzung des langen Seewegs von der Ost- in die Nordsee, eine Verbindung von den Ostseehäfen zu den dänischen Elbhäfen Altona, Elmshorn und Glückstadt zu schaffen. Kurz nach Eröffnung der Eisenbahn Hamburg–Bergedorf 1842 (verlängert 1846 bis Berlin) wurde die private Altona-Kieler Eisenbahn-Gesellschaft gegründet, die bis zum Geburtstag des Königs am 18. September 1844 die auf ihn getaufte „König Christian VIII. Ostseebahn“ fertigstellte.

Ihr Altonaer Endpunkt lag nur wenige Meter nördlich des Geesthanges, der die hochgelegene Stadt von der Elbe trennt, an deren Ufer sich ca. 30 Meter tiefer die Hafenanlagen befanden. Teile des damaligen schmucken Bahnhofsgebäudes sind als Neues Altonaer Rathaus heute noch erhalten.

Später Anschluss nach Hamburg

Die Strecke Altona–Kiel wurde zur Keimzelle eines zunächst isolierten Eisenbahnnetzes, das in den folgenden Jahren bis nach Flensburg, Jütland und Ostholstein sowie bis an die Westküste erweitert wurde. Mit den Eisenbahnen nahm auch der Umladungsverkehr mit Pferdefuhrwerken zwischen den Bahnhöfen Altona und Hamburg zu.

Nach dem Schleswig-Holsteinischen Krieg 1851 hatte Dänemark in den Bau der Lübeck-Büchener Eisenbahn (LBE) einwilligen und 1858 auf internationalen Druck hin auch eine direkte Verbindung Hamburg–Lübeck genehmigen müssen. Um konkurrenzfähig zu bleiben, entschied die Generalversammlung der Altona-Kieler Eisenbahn, eine Schienenverbindung zur Hamburg–Berliner Eisenbahn zu schaffen und auch eine Vorortbahn Altona–Blankenese zu bauen. Holstein kam durch den deutsch-dänischen Krieg von 1864/65 zunächst zu Österreich und nach dem deutsch-österreichischen Krieg von 1866 zu Preußen. Das verzögerte die Fertigstellung.

Am 16. Juli 1866 wurde die so genannte „Verbindungsbahn“ von Altona nach Hamburg-Klosterthor mit den Zwischenstationen Schulterblatt, Sternschanze und Dammtor eröffnet – nur zwei Wochen vor Inbetriebnahme der Strecke Hamburg–Lübeck. 1867 wurden bereits eine Eckverbindung von Kiel auf die Verbindungsbahn geschaffen und auch die Vorortbahn nach Blankenese eröffnet, deren Züge nach einer Spitzkehre im Bahnhof Altona schon bald nach Hamburg weiter fuhren.

Altona Hbf entsteht

Nachdem 1872 die Strecken Hannover/Bremen – Harburg über die Elbe bis in den Venloer Bahnhof (ab 1892 Hannoverscher Bahnhof) in Hamburg verlängert worden waren, nahm der Betrieb auf der Verbindungsbahn stetig zu. Altona wurde Eisenbahnknotenpunkt und die Gleisanlagen im Bahnhof, aber auch im wachsenden Hafen erheblich erweitert. 1884 wurden die Eisenbahnen verstaatlicht und die Königliche Eisenbahndirektion Altona gegründet.

Der Zollanschluss von Altona und Hamburg 1888 ans Reichsgebiet, die Zunahme des Dampfschiffverkehrs und die Industrialisierung führten zu einem enormen wirtschaftlichen Aufschwung mit entsprechender Zunahme des Eisenbahnverkehrs.

In der Stadt Altona wurde zwischen 1893 und 1898 rund 500 Meter nördlich des alten Standorts ein neuer, größerer Kopfbahnhof ebenerdig angelegt. Er erhielt ein mächtiges Empfangsgebäude aus Backstein im klassizistischen Stil mit vier vorgelagerten Bahnsteighallen von je 160 m Länge und insgesamt 82 m Breite. Er wurde fortan als Altona Hauptbahnhof bezeichnet. 1905–07 wurde der Bahnhof westlich um eine kleine fünfte Halle für die Züge der Vorortbahn erweitert.

In Hamburg wurde anstelle der verschiedenen Endbahnhöfe bis 1906 ein neuer Hauptbahnhof in Tieflage gebaut (em 2+3/07). Die überlastete ebenerdige Verbindungsbahn wurde durch eine hochgelegene Strecke mit je zwei Gleisen für den Fern- bzw. den Vorortverkehr ersetzt.

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