Gebäudemodell herstellen

Modernes Wohnhaus. Mehr als nur eine „Feierabendbastelei"

Ein Gebäudemodell selbst herzustellen ist sicherlich der Wunsch vieler Modelleisenbahner. Wir zeigen Ihnen wie es geht!
Ein modernes Wohnhaus herstellen ist mehr als nur eine „Feierabendbastelei © Eisenbahnmagazin

Der Modellbahner muß sich aber von vornherein im klaren sein, daß es hier mit der vielzitierten „Feierabendbastelei“ nicht abgetan ist; mit mehreren Wochenenden muß man mit ziemlicher Sicherheit rechnen.

Besitzer eines Eigenheims können – sofern eine Nachbildung gewünscht wird – die Maße ihrem Bauplan entnehmen. Soll jedoch ein anderes Gebäude, von dem keine Zeichnungsunterlagen zu beschaffen sind, nachgebildet werden, wird man um eine genaue Vermessung des betreffenden Bauwerks nicht umhinkommen.

In unserem Fall wurden die Planunterlagen einer größeren Wohnanlage entnommen, ausgeschnitten und auf ein Gebäude konzentriert.

Architekturpläne sind im Maßstab 1:50, 1:100 oder 1: 200 ausgeführt, was zur Folge hat, daß man bei einer Nachbildung im Modellbahnmaßstab die Maße im Originalbauplan erst einmal umrechnen oder kopieren muß.

Große Wohngebäude sollten jedoch etwas kleiner wiedergegeben werden, vielleicht im Maßstab 1:90 oder gar 1:100, da ein Maßstab von 1:87 auf der Modellbahnanlage etwas zu groß wirken würde. Wie den Plänen zu entnehmen ist, handelt es sich um einen einfachen, rechteckigen Grundriß.

Das Dachgeschoß ist zurückversetzt. Auf diese Besonderheit wird aber beim Bau verzichtet und das Walmdach direkt auf die Traufseiten aufgesetzt. Die Maße müssen natürlich dementsprechend geändert werden und sind leicht den Ansichten zu entnehmen. Die Fertigung des Daches ist Inhalt eines weiteren Themas.

Modellbau

Für den Bau werden 1 und 2 mm starke Polystyrolplatten benötigt, die man vom Kunststoffachhandel beziehen kann, wobei der qm-Preis für die 1-mm-Platte bei ca. 10,00 Euro liegt.

Für unser Modellgebäude reicht jedoch jeweils ein halber Quadratmeter völlig aus. Als erstes werden die Platten mit feinem Schmirgelpapier aufgerauht, da sonst auf der glatten Oberfläche die feinen Bleistiftstriche kaum zu sehenwären.

Als nächster Schritt werden die PS-Platten paßgenau zugeschnitten, wobei mit der Grundplatte, an die später die Fassadenteile angeklebt werden, zu beginnen ist.

Beiden Maßen der Grundplatte (2 mm stark) muß man folgendes beachten: Da die Fassadenplatten 1 mm stark sind, muß die Grundplatte an allen vier Seiten um 1 mm gegenüber den Planmaßen gekürzt werden!

Beispiel: Fordert die Zeichnung 160 x 110 mm, sind für die Grundplatte 158 x 108 mm auszuführen.

Beim Übertrag der Fenster- und Türmaße vom Plan auf das PS legt man ein Fassadenteil zuerst am Grundriß an, markiert die vertikalen Linien und zieht sie dann mit einem Winkel nach. Entsprechend wird für die horizontalen Linienverfahren.

Sind alle Teile angezeichnet, sollte man sich unbedingt die auszuschneidenden Fenster und Türen z. B. mit einem Kreuz markieren, da es sonst leicht passieren kann, daß man entlang der falschen Linien schneidet.

Nun beginnt die mühseligste Arbeit, das Ausschneiden des Polystyrols. Dazu verwendet man am besten ein Skalpell. Die Klinge wird mehrmals entlang eines Stahllineals oder Stahlwinkels über den Kunststoff geführt, der sich dann recht mühelos abbrechen läßt.

Wichtig ist, daß man mit leichtem Druck auf das Skalpell beginnt und mit jedem Schnitt den Druck erhöht. Der Umgang mit diesem Werkzeug ist sicherlich gewöhnungsbedürftig, indes dürfte der Erfolg nach einiger Übung – z. B. an einer Probeplatte – nicht ausbleiben.

Geduld ist oberstes Gebot: für ein normales Einfamilienhaus muß man mit bis zu drei Stunden Schnittzeit rechnen. Es ist übrigens nicht zwingend erforderlich, die Fenster und Türen völlig durchzuschneiden, diese kann man auch nach mehreren Schnitten, z. B. mit dem anderen Ende eines Bleistifts, herausbrechen.

Nach dem Ausschneiden werden Unsauberkeiten mit dem Skalpell, bei Fenster und Türen mit einer Nagelfeile vorsichtig nachgearbeitet. Sind diese Arbeiten erledigt, radiert man die restlichen Bleistiftstriche aus und schleift mit feinem Schmirgelleinen nochmals über die Fassadenteile.

Mit einem Leinentuch werden die Rückstände dann entfernt. Verklebt (bei Kunststoffteilen spricht man auch von Verschweißen) werden die Bauteile entweder mit Lösungsmittel (Essigester) oder mit einem im Handel erhältlichen flüssigen Plastikkleber.

Eines der Fassadenteile wird zunächst an die Außenkante der Grundplatte geklebt, das angrenzende ebenfalls und erst dann die beiden Fassaden miteinander. Da der Kleber mit einem feinen Pinsel aufgetragen wird und überdies noch sehr flüssig ist, kann er nirgends hervorquellen und sorgt für eine saubere Verbindung.

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